Frisch gezapfte Kunst: das Kindl Zentrum feiert den zehnten Geburtstag

Am 18. Juli lud das Kindl Zentrum zur großen Jubiläumsfeier ein

Foto: Birgit Leiß

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Gekommen waren nicht nur Kunstinteressierte, sondern auch Menschen aus der Nachbarschaft, die sich mehr für die besondere Geschichte des ehemaligen Brauereiareals interessierten. Einige kennen das Areal noch als Brachfläche. "Wir wollten uns immer schon mal ansehen, was daraus geworden ist, aber irgendwie hat es sich nie ergeben", meinte ein älteres Paar aus dem Rollbergviertel. An diesem Samstag hatten sie nicht nur Gelegenheit, sich das Innere des denkmalgeschützten Klinkerbaus auzuschauen, sondern auch kostenlos Ausstellungen zu besuchen und an Führungen teilzunehmen. Zur Feier des Tages war der Eintriit im ganzen Haus frei. Ein buntes Programm mit Filmvorführungen und Perfomances erwartete die Besucher:innen. Auch Workshops gab es, beispielsweise konnten Kinder Jutebeutel bedrucken. Am Abend legte im Biergarten ein DJ auf. 

Ein Hingucker: das Sudhaus

Ein wenig geschummelt wurde mit dem genauen Datum, denn eigentlich war die Eröffnung im Herbst 2016. Seitdem sind in dem markanten, von 1926 bis 1930 entstandenen Industridenkmal wechselende Ausstellungen internationaler Gegenwartskustn zu sehen. Die Verganngenheit als Brauerei ist nicht zu übersehen - und das ist gewollt. Nicht nur der Name des Kunstzentrums erinner an die glanzvolle Vergangenheit, auch die Räume erzählen Rixdorfer Brauereigeschichte. Besonders imposant: das Kesselhaus mit seinen 20 Meter hohen Decken. Die Ausstellungen, die hier zu sehen sind, sind eigens für diesen besonderen Ort konzipiert, etwa "50 Gramm Kunst", ein Gemeinschaftswerk, das in Offenen Ateliers, darunter in den Neukölln Arcaden entstand. Einzige Vorgabe war, dass die Kunstwerke nicht mehr als 50 Gramm wiegen dürfen. Als Mobile hängen sie nun im Kesselhaus von der Decke. Beeindruckend - und äußerst fotogen - ist auch das Sudhaus mit seinen riesigen Kupferkesseln - damals die größten Europas. Heute ist hier das Café Babette untergebracht.

Biergarten mit Schießstand

Im Biergarten unter den schattenspendenen Bäumen wurde es an diesem Samstagnachmittag ziemlich voll. Kinder balancierten über die Sitzstufen, während ihre Eltern beim Getränkeausschank anstanden oder sich unterhielten. Übrigens hatte auch die Berliner Kindl Brauerei hier einen großen Biergarten betrieben. Da man den Gerstensaft damals noch nicht lange lagern konnte, spielte er für den Absatz eine wichtige Rolle. Über 12 000 Besucher:innen wurden an manchen Wochenenden gezählt. Sogar einen Schießstand gab es. 2005 wurde der Brauereistandort endgültig geschlossen. 

Kinder machen Kunst

Das Kindl Zentrum legt viel Wer auf die künstlerische Förderung von Kindern aus der Nachbarschaft. So existiert seit 2017 eine Kooperation mit der Hermann-Boddin-Schule. Beim Projekt "Die Blauen Bücher" besuchen die Kinder die laufenden Ausstellungen und halten ihre Eindrücke in einer Art Tagebuch mittels Zeichnungen, Collagen und Fotos fest.